Entwicklung von integrativer Leitlinie | Naturmedizin 4/2018

Anthroposophisch-ganzheitliche Behandlung bei Depressionen

Vier Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben am Beispiel der Depression ein anthroposophisch-ganzheitliches Gesundheitsprogramm entworfen. Dieses soll im Praxisalltag helfen, die Therapie individueller zu gestalten.
Anne S. Ponstein von der University of Applied Science in Leiden (Niederlande) und Kollegen haben ihre integrative Richtlinie „The Anthroposophic Medical healthcare Program (AHCP)” als Modell für zukünftige Studien zu Sicherheitsund Wirksamkeitsnachweisen sowie zur Einschätzung der Kosten entworfen worden. Wenn ganzheitliche Therapien integriert werden sollen, müssen sie messbar und nachvollziehbar sein. Dazu soll die Entwicklung des Programmes einen Beitrag leisten.
Innerhalb der Anthroposophischen Medizin (AM) werden Gesundheit und Krankheit u. a. als ein Resultat des Gleichgewichts oder Ungleichgewichts zwischen den vier Wesensgliedern, oder anders gesagt, zwischen physischen, physiologischen, psychosozialen und/ oder spirituellen Kräften bzw. Ebenen gesehen. Die AM ist eine komplexe und individualisierte Medizin, die zum Ziel hat, diese Ebenen wieder auszugleichen.
 
Praxisrealität
 
Bei depressiven Störungen können spezifische Symptome innerhalb der AM auch den vier Hauptorganen zugeordnet werden, so die Autoren der Studie (siehe Tab. S. 24). Um herauszufinden, wie im anthroposophischen Praxisalltag bei Depressionen tatsächlich therapiert wird, wurden Hunderte Interviews und Gruppendiskussionen geführt und ausgewertet. Daran beteiligt waren u. a. Ärzte, Krankenschwester, Diätassistenten und Therapeuten für Eurythmie, Kunst- und Musiktherapie. So entwickelten die Autoren das AHCP mit Phasen und Zielen in der Behandlung von milden bis mittleren Depressionen. Die genannten Behandlungen gelten als Vorschläge bzw. Beispiele.
 
Erste Behandlungsphase
 
Die erste Behandlungsphase beschäftigt sich mit physischen Gegebenheiten und der physischen Existenz. Fragen nach der Wohn-, Arbeits- und Finanzsituation werden hier gestellt.
 
Zweite Behandlungsphase
 
In der zweiten Behandlungsphase steht das Ziel im Mittelpunkt, die Lebensvitalität über den ätherischen Leib zu verbessern.
Spezifische Therapien hierzu können sein:
1. Tägliche Rhythmen vermitteln (Essen, Schlafen etc.)
2. Lebenskraft stärken (Arzneien, äußere Anwendungen wie Bäder, rhythmische Massage, Ernährungstherapie
3. Die Verbindung nach innen stärken (wie empfindet der Patient Stimuli durch äußere Anwendungen) Dritte Behandlungsphase Hier soll der Astralleib angesprochen werden, und zwar indem das Verhalten und der Lebensstil in den Fokus rücken.
4. Mit dem Inneren verbinden: Gefühle, Impulse, Umwelt (Kunsttherapie, Eurythmie, psychologische Therapie)
5. Atmen: Balance zwischen dem Nerven-Sinnes-System und dem Bewegungs-Stoffwechsel-System finden (Hydrotheapie, Kunsttherapie, Eurythmie)
6. Blick nach innen: Was beeinflusst die Symptomatik (Psychotherapie)
7. Aktiv werden: Den Willen zu Aktivität ansprechen (Bewegungstherapie, Kunsttherapie, Eurythmie)
 
Vierte Behandlungsphase
 
Die vierte Behandlungsphase spricht im Besonderen die Ich-Organisation an. Es gilt, die Kontrolle über den eigenen Willen und Lebensentscheidungen wieder zu übernehmen.
8. Lebensereignisse verarbeiten (Kunsttherapie, Psychotherapie, Biografiearbeit)
9. Stärkung der persönlichen Identität (Eurythmie, Psychotherapie)
10. Dem Leben wieder einen Sinn geben, neue Ideale und Impulse finden (psychologische Therapien)
 

 

Richtlinien für die Wahl der Therapie in der Anthroposophischen Medizin / integrativer Ansatz nach Ponstein et al.
Quelle: Ponstein AS et al.: The development of an anthroposophic, whole medical system, healthcare program for patients with ... JACM 2017, doiI: 10.1089/ acm.2017.0051

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