Gesundes Altern

Naturmedizin 2/2022

Alt und gesund!

Seit Ende des 19. Jahrhunderts hat sich die Lebenserwartung in Deutschland mehr als verdoppelt. Frauen werden heute durchschnittlich 83,4 und Männer 78,6 Jahre alt. Aber älter werden bedeutet häufig auch Multimorbidität, Polypharmazie und deutliche Einschränkungen. Muss das sein?
Im Jahr 2060 werden laut statistischem Bundesamt 30 % der Deutschen über 65 und 11 % über 80 Jahre alt sein. Die geriatrischen Versorgungsstrukturen müssen dringend weiter ausgebaut werden, spätestens 2026, wenn die Babyboomergeneration die Alterstufe 75 plus erreicht.
Die medizinische Betreuung älterer Patient: innen wird also einen stetig größeren Raum einnehmen. Und das nicht nur im pflegerischen und im Klinik-Bereich. Auch in der hausärztlichen Versorgung und in allen Fachbereichen müssen sich Ärzt:innen und Gesundheitspersonal auf die besonderen Bedürfnisse und Herausforderungen immer älter werdender Menschen einstellen.
Die Naturheilkunde sollte in Anbetracht dieser Entwicklung viel mehr in den gesamtgesellschaftlichen Fokus rücken – denn sie ist von ihrem Ansatz her eine präventive Medizin. Neben der Schulung einer gesunden Lebensweise hat sie viele schonende, wirksame Werkzeuge, um dem altersbedingten Abbau vorzubeugen und bestehende Pathologien abzumildern.
 
Lebensstil first
Es ist zeitintensiv, anstrengend – aber eines der wichtigsten Werkzeuge eines ganzheitlichen Ansatzes: Die Beratung zu einem gesundheitsfördernden Lebensstil.
Die 2 wichtigsten Säulen sind Ernährung und ausreichende Bewegung.
Eine Vielzahl der Probleme, die sich mit zunehmenden Alter zeigen, hängen mit dem metabolischen Syndrom zusammen. Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes Typ 2 – Statine, orale Antidiabetika – los geht es mit den Arzneimitteln, die die Blutwerte wieder in eine Norm drücken sollen. Hypertonie – da kommt der Betablocker hinzu – und dann noch ein Magenschutz mittels Protonenpumpenhemmer. Nebenwirkungen dieses Arzneimittelcocktails sind zahlreich, und da sind die durch die Medikamente ausgelösten Mangelzustände an Mikronährstoffen wie Vitamin B12 in den Packungsbeilagen gar nicht erwähnt. Doch die ziehen wieder neue Pathologien nach sich. Die gute Nachricht: In das Perpetuum mobile des metabolischen Syndroms muss kein:e Patient:in einsteigen. Und wer schon drin ist, kann durch Diät, Bewegung und integrative Therapie einen Ausweg finden.
Auch im Hinblick auf die Krebserkrankungen, die eine alterspezifische Spitze bei Menschen über 65 Jahren zeigen, muss man unweigerlich an den großen Einfluss des Lebensstils denken. Bei Männern ab diesem Alter belegen Karzinome von Prostata, Darm und Lunge die Top 3. Bei Frauen ist es die Brustdrüse, gefolgt wie bei den Männern von Darm und Lunge.
Eine gute Evidenz zu den gesundheitlichen Vorteilen bezüglich der Alterungsprozesse und damit verbundener Krankheiten, besonders im Bereich der kardiovaskulären und der Stoffwechselgesundheit, der Knochengesundheit (Osteoporose etc.), von Krebserkrankungen aber auch gegen kognitiven Abbau und für ein starkes Immunsystem, liegt vor zu
- Intervallfasten
- Heilfasten
- mediterraner Ernährung
- vegetarischer und veganer Ernährung
- täglicher Bewegung: mindestens 150 Minuten moderate Intensität pro Woche.
Geeignet sind besonders Nordic Walking, Schwimmen, Wassergymnastik, Krafttraining, Tanzen oder Radfahren.
Tabelle der Natumed-Depesche mit vorteilhaften Nährstoffen und Präparaten für die kardiovaskuläre Gesundheit.
Vorteilhafte Nährstoffe und Präparate für die kardiovaskuläre Gesundheit.

 

Therapie second
Die Verantwortung für ein gesundes Altern trägt jeder Mensch für sich allein. Aber effektive Hilfe für fast alle Bereiche gibt es. Und diese Hilfe können engagierte Ärzt:innen bieten, indem sie Alternativen aufzeigen und Multimedikation vermeiden.
In den Tabellen finden Sie einen Überblick über Beispiele zu komplementärmedizinischen Substanzen und Arzneien, die in den Bereichen Psyche/Kognition, Herz-Kreislauf und Knochen/Mobilität eingesetzt werden können.
 
Psychische Gesundheit und geistige Fitness
Dementielle Erkrankungen und Depressionen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen im höheren Lebensalter. Zwar sind die schweren Depressionen im Alter sogar weniger häufig als bei jungen Menschen, wohingegen aber die leichten und mittelschweren Depressionen bei älteren Menschen bis zu 3-mal häufiger vorkommen. Dies kann natürlich auch mit bestehenden Erkrankungen, chronischen Schmerzen und dementiellem Abbau vergesellschaftet sein.
Umso wichtiger ist es, das Augenmerk auf die seelisch-geistige Verfassung älterer Patient:innen zu legen. Denn gerade bei leichteren depressiven Verstimmungen gibt es vielfältige und gut wirksame komplementärmedizinsche Möglichkeiten.
Der wichtigste Baustein ist hier, mögliche Nährstoffdefizite zu finden und zu beheben. Neben ernährungsbedingten Mängeln spielen auch Neben- und Wechselwirkungen der im Alter häufig notwendigen, aber häufig auch zu massiv eingesetzten Arzneimittel eine große Rolle. Das prominenteste Beispiel: Protonenpumpenhemmer. Ein Großteil der älteren Patient:innen nimmt zu anderen Medikamenten PPI. Diese hemmen die pH-abhängige Resorption von B-Vitaminen, welche speziell im neurologisch-psychologischen Bereich wichtig sind. Aber auch die Resorption von Calcium, Vitamin D, Vitamin C, Zink, Magnesium und Eisen wird verringert. Diese Nährstoffe spielen aber Schlüsselrollen und bei längerdauernden, manifesten Mängeln erhöht sich das Risiko für Knochenfrakturen, Nervenstörungen und Hirnatrophie sowie für depressive Verstimmungen und Immundefizite.
 
Altes, starkes Herz
Bei schon fortgeschrittener Herzinsuffizienz ist die medikamentöse Therapie mit ACE-Hemmern, Sartanen, Beta-Blockern u.a. unumgänglich. Bei Stadium II sind aber pflanzliche Heilmittel durchaus noch indiziert. Hier ist sicherlich der Weißdorn (Crataegus) der bekannteste Vertreter. Er findet sich auch in verschiedenen Fertigarzneien (siehe Tabelle links).
Weitere nicht-medikamentöse Möglichkeiten sind Heilfasten (Entlastung des Herzens durch Entwässerung), Bewegung und diätetische Maßnahmen.
Bei der Koronaren Herzkrankheit sind vor allem antioxidative Nährstoffe interessant. Sie behindern die Oxidation von LDL-Cholesterin, welches in zu hoher Konzentration die Progredienz arteriosklerotischer Prozesse beschleunigt.
Diese Nährstoffe sollten in relativ hoher Dosierung zugeführt werden; Beispiele finden Sie in der Tabelle.
Vorteilhafte Nährstoffe und Präparate für Psyche und Kognition.
Vorteilhafte Nährstoffe und Präparate für Psyche und Kognition.

 

Knochengesundheit, Mobilität und Schmerzen
Abnutzung und Abbau – es ist bitter, aber wahr, auch der menschliche Körper zeigt Gebrauchsspuren. Die meisten Menschen spüren dies an den Gelenken in Form von Arthrose. Weniger spürbar, aber dann umso gefährlicher, ist der Knochenschwund. Osteoporose ist für einen Großteil der Knochenfrakturen und darauf folgende Behinderung und Pflegebedürftigkeit im höheren Alter verantwortlich.
Vitamin D ist der wichtigste Mikronährstoff in Prophylaxe und Therapie bei Osteoporose. Bei nachgewiesenem Mangel ist auch eine Substitution von Vitamin K2 sinnvoll. Viele Präparate enthalten Kombinationen.
Bewegung und Belastung ist für die Knochengesundheit essentiell. Doch wer unter Schmerzen leidet, bewegt sich deutlich weniger. Die Mobilität wird immer weiter eingeschränkt, Fehlhaltungen und Muskelhypotrophie sind die Folge.
Nicht nur arthrosebedingte Schmerzen plagen ältere Menschen, sondern auch Neuralgien und Polyneuropathien. Es ist wichtig, Schmerzen ernstzunehmen und eine Dauermedikation mit NSAR und Co. zu vermeiden. Vitamin B12 und Uridinmonophosphat können hier hilfreich sein.
 
Tabelle über Vorteilhafte Nährstoffe und Präparate für den Bewegungsapparat, bei Scherzen und zur Erhaltung der Mobilität.
Vorteilhafte Nährstoffe und Präparate für den Bewegungsapparat, bei Schmerzen und zur Erhaltung der Mobilität.

 

Quelle:

Verwendete Literatur:

(1) Uwe Gröber: Mikronährstoffberatung. WBG Stuttgart, 1. Auflage 2018

(2) Martin Smollich: Ernährungspraxis Frauen und Männer. WBG Stuttgart, 1. Auflage 2020

(3) Volker Schmiedel: Nährstofftherapie. Thieme, 4. Auflage 2019

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